Hannover. Eine kilometerlange Spritztour der gefährlichen Art hat am Donnerstag, 25. Juni, die Polizei in Hannover und in der Region beschäftigt. Zwei Jugendliche entwendeten einen tonnenschweren Linienbus und steuerten das Fahrzeug über Stunden hinweg durch das Stadtgebiet und über Autobahnen. Die illegale Fahrt endete nicht nur mit einer vorläufigen Festnahme, sondern hinterließ auch Schäden durch mehrere Unfälle. Auch wurden Verkehrsteilnehmer gefährdet. Die Polizei sucht nun dringend nach Zeugen sowie möglichen Geschädigten.
Nach bisherigen Erkenntnissen des Polizeikommissariats Lehrte wählte gegen 14.35 Uhr der Halter eines weißen Gelenkbusses mit einer auffälligen blauen Aufschrift und hannoverschem Kennzeichen den Notruf, nachdem ein aufmerksamer Bekannter das markante Fahrzeug an der Stadtbahnhaltestelle "Zentrum" in Langenhagen gesichtet hatte. Da ihm die beiden Personen am Steuer extrem jung vorkamen, zückte er kurzerhand sein Smartphone, fertigte Beweisfotos an und informierte den Eigentümer. Scheinbar wurde der Bus zu diesem Zeitpunkt unbemerkt von seinem eigentlichen Abstellort im Industrieweg in Hannover gestohlen. Die alarmierte Polizei leitete sofort eine großangelegte Fahndung ein, sodass eine Streifenwagenbesatzung des Polizeikommissariats Lahe den gestohlenen Gelenkbus wenig später auf der Podbielskistraße in Höhe des Paracelsuswegs stoppen und kontrollieren konnte.
Am Steuer trafen die Einsatzkräfte der Polizei auf einen 14-jährigen Jugendlichen aus Lehrte, der nach seiner vorläufigen Festnahme und der rechtlichen Belehrung gestand, gemeinsam mit seinem Komplizen - einem 15-Jährigen aus Hannover - rund vier Stunden lang im nördlichen Bereich von Hannover, in Langenhagen sowie auf verschiedenen Bundesautobahnen unterwegs gewesen zu sein. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen übergaben die Beamten den Jugendlichen an seine Erziehungsberechtigten.
Die vierstündige Fahrt im dichten Verkehr blieb nicht ohne Folgen. Die Ermittlerinnen und Ermittler rekonstruierten bisher mehrere Zwischenfälle, bei denen die Jugendlichen rücksichtslos weiterfuhren. An der Podbielskistraße erfasste der Bus eine 38-jährige Radfahrerin, die durch den Zusammenstoß leichte Verletzungen erlitt, und rammte zudem einen parkenden Lkw. Die Teenager setzten ihre Fahrt fort, ohne sich um die verletzte Frau oder den Schaden zu kümmern.
Einen weiteren gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr gab es an der Ecke Ferdinand-Wallbrecht-Straße / Podbielskistraße. Bei einem Abbiegemanöver an einer Kreuzung war der 14-Jährige mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit mit dem Gelenkbus unterwegs. Infolgedessen kam es zu einem Beinaheunfall mit einem Auto und einem Radfahrer. Zudem gab der 14-Jährige an, im Bereich der Büttnerstraße mit dem Außenspiegel eine Laterne sowie einen parkenden Pkw touchiert zu haben, weshalb die Polizei umgehend eine Absuche des Viertels nach entsprechenden Schäden veranlasste.
Gegen die Jugendlichen wurden umfangreiche Strafverfahren wegen Kraftfahrzeugdiebstahls, mehrfacher Unfallflucht in Kombination mit fahrlässiger Körperverletzung, Gefährdung des Straßenverkehrs sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis eingeleitet.
Da die Ermittler vermuten, dass die riskante Fahrt über Autobahnen und durch die Stadtteile noch weitere Schäden verursacht hat, bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe. Wer hat den weißen Gelenkbus mit einer blauen Aufschrift am Donnerstag zwischen ca. 10.30 Uhr und 14.35 Uhr im Bereich Hannover, Langenhagen oder auf den umliegenden Autobahnen gesehen hat, durch die Fahrweise gefährdet wurde oder frische Beschädigungen an seinem Fahrzeug oder an Straßeneinrichtungen wie Laternen bemerkt hat, wird dringend gebeten, sich beim Polizeikommissariat Lehrte unter der Telefonnummer 05132-827115 zu melden.

