Barsinghausen. Bestes Radfahrwetter, eine interessierte Gruppe und fachkundige Referierende machten die erste Zukunfts-Tour zum Thema Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz zu einem rundum gelungenen Ausflug. Zum Auftakt erläuterte Udo Sahling vom Verein Basche erneuerbar e.V., dass es bei allen Stationen um das Ziel einer von Kohle, Heizöl und Erdgas unabhängigen Stromversorgung für Barsinghausen geht.
Ein Blick auf den Energiemonitor von Avacon zeigte um 11 Uhr bei strahlendem Sonnenschein bereits einen Deckungsgrad von 90 Prozent erneuerbarer Energien im Stromnetz. Im Jahresdurchschnitt liegt dieser Wert in Barsinghausen bislang allerdings erst bei rund 30 Prozent – es bleibt also noch reichlich Potenzial nach oben.
Mit Schwung radelten die knapp 30 Teilnehmenden anschließend den Deister hinunter zur Biogasanlage in Landringhausen. Schon auf dem Weg dorthin gab es spannende Einblicke: NABU-Mitglied Olaf von Drachenfels informierte über die Renaturierung des Bullerbachs, den Biotopverbund im Calenberger Land, Starkregenereignisse und Maßnahmen zum Hochwasserschutz.
In Landringhausen stellte Jan Warneke als Sprecher der Betreibergemeinschaft die dortige Biogasanlage vor. Besonders wichtig: Die Anlage kann dann große Mengen Strom liefern, wenn dieser im Netz tatsächlich gebraucht wird. Zusätzlich versorgt sie rund die Hälfte des Ortes mit Nahwärme für Heizung und Warmwasser. Möglich machen das große Gas- und Wärmespeicher auf dem Gelände und ein Blockheizkraftwerk mit rund 1,3 MW elektrischer und thermischer Leistung. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden, wenn keine Solarenergie verfügbar ist, produziert die Anlage gezielt Strom. So passt sie sich flexibel sowohl dem Strombedarf im Netz als auch dem Wärmebedarf der Kundschaft in Landringhausen an. Die Biogaserzeugung erfolgt in einem Gärbehälter aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle und Pflanzenresten, Mais und künftig auch Silphie – einer schnellwachsenden, mehrjährigen Pflanze.
Am Rand des Gewerbegebiets in Groß Munzel stellte Arnd von Hugo den Radlerinnen und Radlern anschließend die mit 5,6 MW lange Zeit größte Freiflächen-Photovoltaik-Anlage der Region Hannover vor. Auf dem rund sechs Hektar großen Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik erzeugt die Anlage seit 2012 erneuerbaren Strom – das entspricht dem Verbrauch von 1200 Haushalten. Udo Sahling ergänzte, dass vergleichbare Anlagen heute in der Regel mit großen Batteriespeichern ausgestattet werden, um den mittags im Überfluss produzierten Strom in die Abendstunden zu verlagern. Zudem seien die Anforderungen der Baubehörden in Sachen Bepflanzung und Naturschutz inzwischen deutlich umfangreicher.
Zum Abschluss bot der Hof von Arnd von Hugo noch ein weiteres Praxisbeispiel: Dort besichtigte die Radelgruppe eine große Holzhackschnitzelheizanlage. Die mehrfach modernisierte Anlage versorgt heute rund 20 Wohneinheiten in Groß Munzel über ein Nahwärmenetz zuverlässig mit Heizenergie und warmem Wasser. Besonders erfreulich für die Wärmekund*innen: Im Vergleich zu Erdgas und Heizöl profitieren sie von einem sehr stabilen Preisniveau.
Die gelungene Auftaktveranstaltung macht Lust auf mehr: Bereits am 10. Mai steht die nächste Fahrrad-Tour in Kooperation mit dem ADFC durch das Calenberger Land an – dann zum Thema Repowering von Windenergieanlagen.

