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Autor Jakob Springfeld berichtet in Gehrden über seinen Einsatz gegen Rechtsextremismus

v.l.: Greta Henze, Jakob Springfeld, Christian Schmidt, Barbara Mussack, Heidrun von Bötticher. Foto: privat.

Gehrden. Wie entsteht demokratisches Engagement – und welche persönlichen Konsequenzen kann es haben? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 180 Schülerinnen und Schüler des Matthias-Claudius-Gymnasiums (MCG) in Gehrden bei einer Lesung und anschließenden Diskussion mit dem Autor Jakob Springfeld. Die Veranstaltung wurde von der Initiative für Demokratie gemeinsam mit der Schule organisiert.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand Springfelds Buch „Unter Nazis“, in dem er seine Erfahrungen mit rechtsextremen Strukturen in seiner Heimatstadt Zwickau schildert. In seiner Lesung berichtete der 24-Jährige von seinem Engagement gegen Rechtsextremismus und von den persönlichen Konsequenzen, die daraus entstanden sind. „Zwickau ist meine Hölle, Zwickau ist meine Heimat“, fasste er seine Beziehung zu seiner Herkunftsstadt zusammen.

Engagement gegen Rechtsextremismus

Auslöser für sein Engagement waren rechtsextreme Demonstrationen in Zwickau, bei denen gezielt Stimmung gegen Geflüchtete gemacht wurde. Persönliche Erfahrungen, unter anderem durch eine Freundschaft mit einem jungen Afghanen, verstärkten seinen Einsatz gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Springfeld engagierte sich in der Folge für Geflüchtete, erinnerte an die Verbrechen des NSU und beteiligte sich an Klimaschutzbewegungen.

Sein Einsatz blieb nicht ohne Folgen: Der Autor berichtete von Drohungen, Verfolgung und körperlichen Angriffen durch Rechtsextremisten. Diese Erfahrungen verarbeitet er auch in seinem Buch.

Initiative aus Gehrden

Die Idee zur Veranstaltung ging von der Initiative für Demokratie in Gehrden aus. In Zusammenarbeit mit der Schulleitung sowie dem Verein der Eltern und Freunde wurde die Lesung organisiert.

Barbara Mussack von der Initiative erklärte: „Uns hat beeindruckt, dass er als Jugendlicher und nun als junger Erwachsener die Augen aufmacht für das, was in seiner Umgebung geschieht. Er schaut hin, wenn Menschen beleidigt und benachteiligt werden, wenn Menschen nach ihrer Herkunft oder ihrer sozialen Lage in Gute und Schlechte unterteilt werden und wenn Gewalt in Sprache und Taten um sich greift.“

Bedeutung für die Schule

Auch die Schulleitung bewertete die Veranstaltung als wichtigen Beitrag zur politischen Bildung. Schulleiter Christian Schmidt betonte: „Die Lesung von Jakob Springfeld war für unsere Schülerinnen und Schüler eine eindrucksvolle und wichtige Erfahrung. Sie hat gezeigt, dass Demokratie nicht abstrakt ist, sondern im Alltag beginnt – dort, wo Menschen hinschauen, Haltung zeigen und Verantwortung übernehmen. Als Schule ist es unser Auftrag, junge Menschen zu ermutigen, sich einzumischen, respektvoll zu streiten und für die Werte unserer freiheitlichen Gesellschaft einzustehen. Die große Aufmerksamkeit und die engagierten Fragen der Jugendlichen machen Mut und zeigen, wie wichtig solche Begegnungen für die politische Bildung und das gesellschaftliche Engagement sind.“

Intensive Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern

Im Anschluss an die Lesung nutzten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 11 und 12 die Gelegenheit, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen einzubringen. Themen waren unter anderem der Umgang mit Verschwörungserzählungen in sozialen Netzwerken sowie persönliche Erfahrungen mit Ausgrenzung.

Die Diskussion zeigte, so Mussack, dass viele Jugendliche aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufmerksam wahrnehmen und reflektieren. Dabei sei auch deutlich geworden, dass Fragen nach Zugehörigkeit, Diskriminierung und demokratischem Miteinander eine große Rolle im Alltag spiele.

Ideen zur Stärkung der Demokratie

Neben der Analyse von Problemen wurden auch konkrete Ansätze zur Stärkung demokratischer Kompetenzen diskutiert. So wurde angeregt, Schülerinnen und Schüler stärker an schulischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen, um demokratische Debatten frühzeitig einzuüben.

Auf die Frage, ob er sich trotz der negativen Erfahrungen erneut engagieren würde, antwortete Springfeld klar: „Ja, auf jeden Fall, sonst würde ich mich ohnmächtig fühlen. Das wäre schlimmer.“

Engagement im Alltag

Abschließend ermutigte der Autor die Jugendlichen, selbst aktiv zu werden. Möglichkeiten gebe es viele – etwa in Vereinen, bei der Feuerwehr oder in sozialen Einrichtungen. Entscheidend sei, Haltung zu zeigen und sich einzumischen, wenn Menschen herabgesetzt werden.