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Bis zu 150 Kunden täglich: Labora kämpft um den Erhalt des Wertstoffhofs

Mitarbeiter Shimal Al-Barhim hilft Carsten Eine bei der richtigen Entsorgung. Zeit für ein freundliches Gespräch dabei bleibt immer.

Barsinghausen. Der Labora-Wertstoffhof an der Hannoverschen Straße in Barsinghausen ist ein beliebtes Ziel vieler Bürgerinnen und Bürger, um verschiedene Abfallstoffe schnell zu entsorgen. Doch die Schließung des Hofes steht im Raum. Bei den Nutzern stößt diese Möglichkeit auf wenig Verständnis.

Der Vertrag zwischen der Labora GmbH und dem Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) läuft zum 31. Dezember aus. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Vertrag verlängert werden soll. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass es bei der möglichen Schließung um mehr geht als nur um Abfallentsorgung.

Die letzten zwölf Jahre wurde der Vertrag zwischen aha und Labora stets jährlich verlängert, erzählt Daniela Möhlenbrock, Geschäftsführerin von Labora Barsinghausen. „Wir sind in der Arbeitsmarktförderung tätig und haben zwei durch das Jobcenter geförderte Mitarbeiter auf dem Hof beschäftigt. Wirtschaftlicher geht es eigentlich nicht.“

Alternativen nur mit langem Fahrtweg

Trotzdem möchte aha den kleinen Wertstoffhof schließen. Eine Alternative vor Ort gibt es nicht. Wer seinen Abfall entsorgen möchte, müsste künftig wohl nach Gehrden oder Kolenfeld fahren. „Wir haben im Durchschnitt bis zu 150 Kunden am Tag“, so Möhlenbrock. „Viele kommen zu Fuß, mit dem Rad oder auf dem Weg zum Einkaufen vorbei.“ Vor allem Bauschutt und Altkleider würden abgegeben. Durch den boomenden Online-Handel werde zudem viel Papier und Kartonage angeliefert.

Labora gehört sowohl das Grundstück als auch das Gebäude, verdient mit dem Wertstoffhof jedoch kein Geld. Die Mitarbeiter werden durch das Jobcenter gefördert. Der Müll wird von aha abgeholt und entsorgt beziehungsweise weiterverwertet. aha arbeite an einem neuen Müllentsorgungskonzept, in dem der kleine Wertstoffhof in Barsinghausen keine Rolle mehr spielen soll.

Soziales Kaufhaus und Wertstoffhof haben sich ergänzt

Laut Möhlenbrock bleibt das soziale Kaufhaus bestehen: „Das war eigentlich eine Win-win-Situation, denn nicht alles musste entsorgt werden, sondern konnte über das Kaufhaus weiterverkauft werden.“ Es gibt auch die „Tausch-Linde“. Hier werden kleine Gegenstände abgestellt, die andere Kunden mitnehmen dürfen.

Auch die soziale Komponente wird wegfallen

Doch nicht nur die Entsorgungsmöglichkeiten würden wegfallen, sondern auch die soziale Komponente des kleinen Wertstoffhofes. Schul- und Kindergartengruppen konnten zur Umweltbildung vorbeikommen und Jugendliche ihre Sozialstunden absolvieren.

„Ja, wir sind ein kleiner Hof und können nicht alles annehmen, aber das Miteinander ist sehr herzlich. Viele Kunden kennen wir seit Jahren und viele wollen auch ein kurzes Gespräch führen.“ Die Geschäftsführerin möchte die Hoffnung noch nicht aufgeben. Weiterhin würden zahlreiche Gespräche geführt, um eine Schließung noch abzuwenden. Über eine mögliche Nachnutzung des Geländes möchte derzeit noch niemand nachdenken.

Kunden sprechen sich für den Erhalt aus

Auch die Kunden des Hofes können die aus ihrer Sicht alternativlose Schließung des beliebten Hofes nicht nachvollziehen. „Das wäre ganz großer Mist, wenn hier zugemacht würde“, findet Pia Hosseini, während sie einen Karton in einen Container wirft. „Es gibt doch in der Nähe nichts anderes. Meine Mutter kommt auch gerne hierher.“

Auch für Carsten Eine ist der Wertstoffhof an der Hannoverschen Straße ein regelmäßiges Ziel: „Gehrden ist zu weit weg und Kolenfeld oft überlaufen. Hier komme ich auf dem Weg zum Einkaufen immer vorbei.“

Auf dem Hof ist man sich einig: Sollte die ortsnahe Entsorgung wegfallen, könnten manche Menschen ihren Müll eher in der Natur entsorgen, anstatt längere Wege auf sich zu nehmen.

Noch kämpft das Team vor Ort um den Erhalt des Wertstoffhofes.

Flohmarkt am 14. Juni

„Wir veranstalten am 14. Juni noch einen Flohmarkt. Da dürfen gerne viele Menschen kommen und ihre Solidarität zeigen“, lädt Möhlenbrock ein.

An diesem Tag kann jeder kostenlos einen Stand auf dem Gelände aufbauen. Der Flohmarkt findet von 11 bis 15 Uhr statt, der Aufbau ist bereits vorher möglich. Eine Anmeldung ist direkt auf dem Wertstoffhof möglich.