Hannover. Am Sonntag teilte die S-Bahn Hannover mit, dass ab Montag wegen fehlender Fahrzeuge auf voraussichtlich allen Linien kürzere Züge eingesetzt werden. Fahrgäste müssen mit weniger Sitzplätzen und volleren Zügen rechnen. Der Lehrte-Pendel zwischen Lehrte und Hildesheim fällt zeitweise aus und wird durch Busse ersetzt. Besonders irritierend: Die S-Bahn bittet ihre Kunden, auf „nicht zwingend notwendige Fahrten“ zu verzichten und Alternativen zu nutzen.
„Das ist schon eine bemerkenswerte Form von Kundenservice: Der S-Bahn-Betreiber bittet seine Kunden, möglichst nicht mit der S-Bahn zu fahren“, erklärt Bernward Schlossarek, Vorsitzender der CDU-Regionsfraktion. „Wenn ein Verkehrsunternehmen seinen eigenen Fahrgästen empfiehlt, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, ist endgültig der Punkt erreicht, an dem man nicht mehr über eine einzelne Störung sprechen kann. Dann haben wir ein strukturelles Problem.“
Besonders kritisch sieht die CDU zudem den Hinweis der S-Bahn, Schülerinnen und Schüler sollten prüfen, ob sie abseits des öffentlichen Nahverkehrs zu ihren Zielorten gebracht werden können. „Wie stellt sich die S-Bahn das eigentlich vor? Der ÖPNV muss auch für Familien funktionieren. Es kann nicht verlangt werden, dass Eltern spontan einspringen, weil die S-Bahn nicht ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung hat.“, so Schlossarek
Als Ursachen nennt die S-Bahn technische Störungen, Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung, Schäden durch die Schieneninfrastruktur und Defizite bei internen Prozessen. Ersatzfahrzeuge seien bereits seit Ende Juni im Einsatz. Gerade deshalb stellt sich für die CDU die Frage, warum die weitreichenden Einschränkungen erst so kurzfristig kommuniziert wurden.
Die CDU-Regionsfraktion fordert von der Region Hannover als zuständigem Aufgabenträger eine schnelle Aufklärung. Sie soll darlegen, seit wann die Probleme bekannt waren, wie lange mit verkürzten Zügen zu rechnen ist und welche Maßnahmen Betreiber und Region ergreifen, um einen stabilen Betrieb sicherzustellen.
Für Schlossarek ist die aktuelle Situation auch ein Symbol für den Zustand des Nahverkehrs in der Region Hannover. „Wir erleben immer wieder Ausfälle, Verspätungen und Einschränkungen. Die Fahrgäste bezahlen für eine verlässliche Leistung und diese sollen sie auch bekommen. Das ist kein Zustand, mit dem eine moderne Region zufrieden sein kann. Hier bedarf es dringend eines Neustarts.“

