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Diskussionsrunde der WIG: Klokemann, Schladebusch und Stein - Von Gewerbe bis Bürgerbüro

Im Mittelpunkt standen (v.l.) Amtsinhaber Ingo Klokemann (SPD), Roman Schladebusch (parteilos) und Daniel Stein (Wählergruppe „Für gesamt Wennigsen!").

Wennigsen. Die Wirtschaftliche Interessensgemeinschaft Wennigsens (WIG) hat in geschlossener Runde eine Diskussionsrunde zur Bürgermeisterwahl für ihre Mitglieder abgehalten. Am Mittwochabend traf man sich in der Pinkenburg zum Gespräch. Im Rahmen eines Stammtischformats stellten sich die drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Wennigsen dem Publikum und diskutierten über Wirtschaft, Finanzen, Vergabe und Bürgernähe. Moderiert wurde der Abend von Paul Zimmermann. Im Mittelpunkt standen Amtsinhaber Ingo Klokemann (SPD), Roman Schladebusch (parteilos) und Daniel Stein (Wählergruppe „Für gesamt Wennigsen!").

Vorstellung – Was qualifiziert Sie für das Amt?

Ingo Klokemann (51) wuchs in Wennigsen auf, studierte Jura und arbeitete in leitender Position am Deutschen Hörzentrum der Medizinischen Hochschule Hannover. Er war zehn Jahre Ratsmitglied, davon mehrere Jahre als Fraktionsvorsitzender. Seit fünf Jahren ist er Bürgermeister. Seine Qualifikation sieht er in der juristischen Ausbildung, der Führungserfahrung und vor allem in der persönlichen Verbundenheit mit Wennigsen: „Das Wichtigste ist die Motivation als Bürger dieser Gemeinde, auch für die Gemeinde etwas Positives zu bewirken."

Roman Schladebusch (44) ist seit 25 Jahren als Unternehmer tätig und führt drei GmbHs. Er ist Diplom-Finanzwirt und war vier Jahre bei der Bundeswehr. Zum 15. Juni legte er alle Geschäftsführerposten nieder, um einen klaren Schnitt zu machen. Seine Kandidatur sei nicht geplant gewesen: „Stand das auf meiner Bucketlist? Nein. Ich habe irgendwann das Gefühl gehabt, dass ich Selbstständigkeit einfach vollständig durchgespielt habe.“ Er tritt an, weil er sah, dass neben den beiden anderen Kandidaten kein weiterer aus anderen Parteien folgte.

Daniel Stein (32) wohnt seit seiner Geburt in Wennigsen, machte eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement, arbeitete als Recruiter und ist seit sieben Jahren in der Gemeindeverwaltung tätig – seit vier Jahren als Teamleitung im Bürgerbüro. Schon immer sei er im TSV tätig gewesen, zunächst als Fußballspieler, dann auch als Kapitän auf organisatorischer Ebene. „Ich weiß, was im Ehrenamt los ist, ich habe Verwaltungserfahrung, und ich bin Wennigser durch und durch."

Wirtschaft – Wie soll sich Wennigsen bis 2035 entwickeln?

Roman Schladebusch sieht große globale Umbrüche durch Robotik, KI und autonomes Fahren, auf die sich die Gemeinde vorbereiten müsse. Er fordert mehr Resilienz und Autarkie, kritisiert die aktuelle Wirtschaftsförderung und sieht Potenzial in den Bereichen Tourismus, Kultur und Wohnen: „Wir stellen immer wieder fest, dass wir tolle Mitarbeiter einstellen könnten, aber die hier keinen Wohnraum finden."

Daniel Stein betonte die Bedeutung von Kommunikation und Vernetzung. Viele Gewerbetreibende fühlten sich nicht gehört. Er forderte einen stärker verankerten Wirtschaftsförderer, der im Rathaus sitzt – am besten direkt neben dem Bürgermeister. Zudem sprach er sich für familienfreundlichere Strukturen aus, etwa Coworking Spaces in der Nähe von Kindertagesstätten sowie die Bekämpfung von leerstand und einer Verdichtung von Gewerbe.

Ingo Klokemann berichtete über konkrete laufende Projekte: das neue Gewerbegebiet Pinneister, die Erweiterung des Büntefelds sowie umfangreiche Investitionen in die Kläranlage, die dringend saniert werden musste. Er betonte, dass diese Infrastruktur die Grundvoraussetzung für weiteres Wachstum sei: „Von vier Pumpen lief zum Teil nur noch eine – die Situation war wirklich schwierig." Auch Windenergie nannte er als mögliche Einnahmequelle für die Gemeinde. „Wir müssen Gewerbe vor Ort erhalten, aber auch eine Weiterentwicklung ermöglichen.“

Finanzen – Wie gehen Sie mit der Verschuldung um?

Daniel Stein betonte, dass Nicht-Investieren keine Lösung sei. Er sprach sich für eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit aus und verwies auf das Beispiel der gemeinsamen Rechnungsprüfung mit Pattensen. Er möchte Personal effizienter einsetzen und unnötige Neueinstellungen vermeiden: „Wir brauchen mehr Spieler auf dem Feld, nicht mehr Trainer."

Ingo Klokemann machte deutlich, dass die Gemeinde viele Aufgaben erfüllen müsse, ohne darüber selbst entschieden zu haben – von der Ganztagsschule über Feuerwehruniformen bis hin zu Kindergärten. „Andere entscheiden, wir müssen bezahlen." Auf der Einnahmenseite sieht er Potenzial durch neue Gewerbeflächen, Windenergie und gezielte Einsparungen bei freiwilligen Leistungen. Die Kommunalaufsicht habe den Haushalt bereits positiv bewertet.

Roman Schladebusch plädierte dafür, Wennigsen als Wohnort für Menschen mit mittleren bis gehobenen Einkommen attraktiver zu machen, um Einkommensteueranteile zu steigern. Er befürwortet Public-Private-Partnerships grundsätzlich, warnte aber vor einer zu engen Verflechtung mit anderen Kommunen und sprach sich gegen ein Modell im Stile der „Calenberger Gemeinde" aus: „Das ist für mich der Inbegriff eines Freischeins für eine Totalverschuldung."

Vergabeverfahren – Werden Wennigser Betriebe benachteiligt?

Roman Schladebusch berichtete aus eigener Erfahrung: Er hatte das günstigste Angebot für eine Photovoltaikanlage auf dem Bauhof abgegeben – und trotzdem nicht den Zuschlag erhalten. Schuld war ein Formfehler im beauftragten Planungsbüro. Er fordert Schulungen für Verwaltungsmitarbeiter im Vergaberecht und öffentliche Informationsangebote für Betriebe.

Ingo Klokemann wies darauf hin, dass die Gemeinde die Vergaberichtlinien einhalten müsse und keine Betriebe bevorzugen dürfe. Die Direktvergabegrenze sei jüngst von 1.000 Euro auf 20.000 Euro angehoben worden. Er räumte ein, dass es Einzelfälle gegeben habe – etwa eine Broschüre bei der 825-Jahr-Feier –, die über das Internet vergeben worden seien und die er nachträglich kritisiert habe. Grundsätzlich stünden lokale Betriebe auf den Listen der Verwaltung. Vorgaben sähen es aber ab einem gewissen Volumen vor, dass Projekte europaweit ausgeschrieben werden müssen.

Daniel Stein sieht die Gemeinde in der Pflicht, proaktiver zu informieren. Er berichtete, dass einige lokale Unternehmen schlicht keine Lust mehr hätten, sich zu bewerben. „Wenn das damit schon beginnt, dann haben wir den Auftrag gegenzusteuern." Er plädierte für Schulungsangebote und eine Statistik, die zeigt, wie viele Aufträge tatsächlich an Wennigser Betriebe vergeben werden. „Das Thema ist hoch komplex.“

Attraktiver Einzelhandel und Verkehrssituation in der Innenstadt

Frage aus dem Publikum: Ein örtlicher Einzelhändler sprach die Attraktivität des Einzelhandelsstandorts an. Er warnte davor, durch Verkehrsmaßnahmen den Zugang zu Geschäften mit dem Auto zu erschweren. Wie soll die Gemeinde den Einzelhandel stärken?

Roman Schladebusch unterstützte grundsätzlich das Ziel, den Einzelhandel zu stärken. Gleichzeitig sprach er sich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr aus. Geschwindigkeitsüberschreitungen seien gerade für Kinder und ältere Menschen ein Problem. „Hier wird gerast, und zwar ohne Ende. Und ich bin wirklich ein Freund davon, dass wir dem ein oder anderen Mal ein Fahrrad zur Hand stellen, damit er sein Verhalten einfach mal überdenken kann.“ Regeln müssten eingehalten werden.

Daniel Stein betonte die Bedeutung des Einzelhandels. Eine lebendige Gemeinde brauche attraktive Geschäfte. Gleichzeitig müsse die Erreichbarkeit mit dem Auto gewährleistet bleiben. Gerade Familien könnten größere Einkäufe nicht immer zu Fuß erledigen. Deshalb dürfe die Entwicklung des Ortskerns nicht dazu führen, dass kleine Einzelhandelsunternehmen ihre Kundschaft verlieren.

Ingo Klokemann verwies auf bereits umgesetzte Maßnahmen zur Aufwertung des Ortskerns. Die Gemeinde arbeite daran, die Ortsmitte attraktiv zu halten. Bei der Verkehrssicherheit verwies er unter anderem auf Geschwindigkeitsanzeigen, die nach seiner Beobachtung dazu führten, dass Autofahrer freiwillig langsamer fahren. Den Berufsorientierungstag mit mehr als 30 Unternehmen wolle er verstetigen und möglichst gemeinsam mit Schulen und anderen Kommunen weiterentwickeln, um Wirtschaft und Bürger zusammenzubringen.

Feuerwehr: Wie soll die Zusammenarbeit verbessert werden?

Frage aus dem Publikum: Wie soll die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Feuerwehr künftig gestaltet werden?

Ingo Klokemann möchte den bisherigen engen Austausch fortsetzen. Er stehe regelmäßig mit den Ortsfeuerwehren und den Verantwortlichen in Kontakt und nehme, soweit möglich, an Sitzungen teil. Ortsbrandmeister und Gemeindebrandmeister könnten ihn direkt kontaktieren.

Daniel Stein hat sich nach eigenen Angaben im Zuge des Wahlkampfs intensiver mit den Ortsfeuerwehren beschäftigt. Er möchte die einzelnen Ortsfeuerwehren möglichst eigenständig und spezialisiert erhalten. Gleichzeitig müssten Probleme bei der Kommunikation und bei kleineren Unterstützungsleistungen der Gemeinde besser gelöst werden. Er wolle die Verwaltung stärker als Dienstleister verstehen und die Expertise derjenigen einbeziehen, die täglich mit den jeweiligen Aufgaben zu tun haben.

Roman Schladebusch betonte, dass er im Gespräch mit den Feuerwehren viel über deren Anforderungen gelernt habe. Er wolle die Expertise derjenigen einbeziehen, die täglich mit den jeweiligen Aufgaben zu tun haben. Er brachte außerdem Kooperationen mit örtlichen Unternehmen ins Gespräch. So könnten Unternehmen beispielsweise bei der Bereitstellung von Notstromaggregaten unterstützen. Die Feuerwehr sei nicht nur für den Brandschutz wichtig, sondern leiste auch einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Wohnraum für ältere Menschen: Welche Lösungen gibt es?

Frage aus dem Publikum: Es gebe zu wenig bezahlbaren und barrierearmen Wohnraum für ältere Menschen. Gleichzeitig lebten viele ältere Menschen in großen Einfamilienhäusern, weil ihnen passende Alternativen fehlten. Wie soll sich der Wohnungsmarkt entwickeln?

Daniel Stein sieht hier einen großen Handlungsbedarf. Die Gemeinde müsse stärker auf ältere Menschen zugehen und ihnen Ansprechpartner bieten. Als mögliche Ansätze nannte er Quartiersmanagement und neue Wohnformen, etwa Wohngemeinschaften für ältere Menschen. Als Beispiel verwies er auf ein Genossenschaftsmodell in Wennigsen – „graue Haare, buntes Leben“. Die Gemeinde könne organisatorisch unterstützen, damit ältere Menschen passende Wohnangebote finden und Kontakte entstehen und Familien größeren Wohnraum erhalten können.

Roman Schladebusch verwies auf die hohen Kosten beim Erwerb von Eigentumswohnungen und die Schwierigkeiten älterer Menschen, eine Finanzierung zu bekommen. Nach seinen Angaben könnten in Wennigsen rund 150 energieeffiziente, barrierefreie und altersgerechte Mietwohnungen entstehen. Darüber hinaus verwies er auf bestehende Probleme bei Erbpacht und Mietpreisen sowie auf Modelle wie „Hand gegen Miete“, bei denen ältere Menschen Unterstützung im Alltag erhalten könnten.

Ingo Klokemann betonte, dass die Gemeinde selbst keine Wohnungen baue, aber über die Ausweisung von Bauland erheblichen Einfluss auf die Entwicklung habe. Bei neuen Baugebieten müsse deshalb darauf geachtet werden, dass nicht ausschließlich Einfamilienhäuser entstehen.

Als Beispiele nannte er die Wennigser Mark und das kleine Lutherfeld. Dort solle auch bezahlbarer, geförderter und barrierearmer Wohnraum entstehen. Klokemann plädierte für eine stärkere Verdichtung, weil preiswerter Wohnraum bei großem Flächenverbrauch kaum realisierbar sei. Gleichzeitig solle es keine reinen Seniorensiedlungen geben, sondern gemischte Wohnquartiere.

Bürgerbüro: Muss die Terminvergabe geändert werden?

Frage aus dem Publikum: Ein Bürger kritisierte die Terminvergabe im Bürgerbüro. Für einfache Anliegen müsse teilweise mehrere Wochen im Voraus ein Termin gebucht werden. Warum könne man nicht wieder ohne Termin vorsprechen und Wartezeiten in Kauf nehmen? Außerdem sei die Online-Terminvergabe für Ältere unglücklich gelöst.

Daniel Stein sprach sich für eine Hybridlösung aus. Die reine Terminvergabe sei nach seiner Einschätzung nicht mehr zeitgemäß. Bürger sollten künftig auch wieder ohne Termin ins Bürgerbüro kommen können. Gleichzeitig sollten Termine für Menschen erhalten bleiben, die Planungssicherheit benötigen. Stein erklärte, dass die Terminvergabe während der Corona-Zeit eingeführt worden sei. Er habe sie lange unterstützt, da mit Terminvergabe eine Liste benötigter Unterlagen rausging. „Es wird weniger vergessen, das sorgt für weniger Frust, gerade wenn man ohne Termin lange warten musste.“ Er sehe inzwischen aber die Notwendigkeit, das System zu öffnen. Besonders wichtig sei ihm, dass Menschen unabhängig von Alter und technischen Fähigkeiten Zugang zu den Verwaltungsleistungen hätten.

Ingo Klokemann sprach sich inzwischen klar dafür aus, wieder Möglichkeiten ohne vorherige Terminvereinbarung zu schaffen. Bürger sollten beispielsweise einen Personalausweis auch ohne Termin abholen können. Gleichzeitig sollten Termine für Menschen möglich bleiben, die vor der Arbeit oder aus anderen Gründen auf eine verlässliche Uhrzeit angewiesen sind. Er verwies darauf, dass die Verwaltung personell nur begrenzte Möglichkeiten habe. Bei Krankheitsausfällen könne ein kleines Bürgerbüro längere Wartezeiten nicht ohne Weiteres auffangen. Grundsätzlich müsse das System aber so verändert werden, dass Bürger wieder ohne Termin vorsprechen können.

Roman Schladebusch möchte auch weg vom aktuellen System und zurück zum Abreißzettel. Nicht alle seien fit mit Handy und Internet, um sich online Termine zu buchen. Auch die langen Wartezeiten, obwohl man nur etwas abholen wolle, müsse verbessert werden.

Der Abend endete mit einer positiven Atmosphäre. Philip Pappermann, Vorsitzender WIG, lobte ausdrücklich den respektvollen Umgang der Kandidaten miteinander: „Niemand ist dem anderen ins Wort gefallen – das sind wir in politischen Diskussionen nicht mehr überall so gewohnt." Markus Hugo, Geschäftsführer der WIG, erklärte zu Beginn der Veranstaltung, dass er selbst für den Gemeinderat kandidiere und zog sich nach der Begrüßung zurück, verfolgte die Diskussion aber im Saal. Hugo ist ebenfalls Geschäftsführer der cevendo GmbH, der Herausgeberin dieser Online-Zeitung.