Anzeige
Anzeige

Erster Spatenstich für Rathausanbau – Archäologische Funde bremsen Bauarbeiten aus

Gehrden. Am Donnerstagmittag fand der symbolische erste Spatenstich für den Rathausanbau in Gehrden statt. Der Anbau wird nördlich (Hüttenstraße) am Bestandsgebäude errichtet. Erste Tiefbauarbeiten hatten bereits begonnen. Dabei wurden nun erwartete archäologische Funde gemacht.

„Der Anbau ist nicht unumstritten, aber wir benötigen den Platz“, erklärte Bürgermeister Malte Losert beim Spatenstich an der Baustelle. „Der Zahn der Zeit nagt gerade im Gebäude und es gibt seit dem Bau in den 1990er-Jahren viel mehr Personal.“ Die Verwaltung hatte bereits zusätzliche Büroräume anmieten müssen, um alle Mitarbeiter unterzubringen. „Doch auch die Digitalisierung erfordert das Verlegen neuer Kabel, um zeitgemäß und schnell arbeiten zu können.“ Losert dankte der Verwaltung und den Ratsmitgliedern, die sich für den Bau des Anbaus ausgesprochen hatten.

Platz für bis zu 30 Mitarbeiter

Im dreistöckigen Anbau sollen Arbeitsplätze für bis zu 30 Mitarbeiter sowie drei Besprechungsräume entstehen. Jede Etage misst 140 Quadratmeter. Rund 2,5 Millionen Euro kostet der Anbau. Dieser soll sich optisch am Bestandsgebäude orientieren.

Geplant war der Einzug für Sommer 2027. Aufgrund der nun gestarteten archäologischen Arbeiten wird sich die Fertigstellung wohl bis in den Herbst 2027 ziehen. Ob in diesem Jahr noch Richtfest gefeiert werden kann, ist derzeit unklar.

Sobald der Einzug in den Anbau erfolgen kann, soll auch das Bestandsgebäude saniert werden. Neben Arbeiten für die Digitalisierung werden Sanitäre Anlagen, Bürgersaal und Eingangsbereich erneuert.

Archäologen werden bei Erdarbeiten fündig

„Es war zu erwarten, dass wir in diesem Bereich in Gehrden archäologische Funde machen werden“, erklärte Ute Bartelt, Archäologin der Region Hannover. „Die Baustelle befindet sich innerhalb der alten Befestigung des Fleckens Gehrden, wie es früher hieß.“

Trotz vorheriger Bebauung waren die Funde zuvor nicht gemacht worden, da die Bebauung nicht so tief war. Nun wurden die Archäologen, die die Baggerarbeiten von Beginn an begleiteten, fündig.

Gefunden wurden Hölzer und Knüppel einer Bebauung sowie Keramik, darunter harte Grauware, Siegburger Steinzeug, eine Ofenkachel und zwei Brunnen. Bei einem der Brunnen handelt es sich um einen Baumbrunnen.

„Dies zeigt uns einen gewissen Wohnstandard. Aktuell datieren wir die Funde auf das Spätmittelalter. Im Laufe des Prozesses finden wir vielleicht noch Hinweise auf das Hochmittelalter“, so Bartelt.

Baumbrunnen wird genauer untersucht

Das Holz des Baumbrunnens wird aktuell datiert. Anhand der Auswertung der Ringe in der Rinde können das Alter und auch die Wachstumszeit bestimmt werden.

„Brunnen waren aber sehr lange in Betrieb. Aktuell können wir nur sagen, dass der Brunnen wohl im 16./17. Jahrhundert genutzt wurde. Wann er gebaut wurde, wissen wir noch nicht“, so die Archäologin weiter.

Nun sollen noch weitere Erdschichten abgetragen werden, um weitere Funde zu sichern. Diese sollen später unter anderem ins Landesmuseum gebracht werden, könnten aber auch an die Stadt Gehrden zur Ausstellung ausgeliehen werden.

Wann die Bauarbeiten weitergehen können, ist aktuell unklar. „Ja, das bremst uns etwas aus, aber es ist auch wichtig und interessant, was hier früher war“, findet Bürgermeister Losert und hofft auf einen weiteren guten Bauverlauf.