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Hospizdienst „Aufgefangen“ bildet neue Sterbebegleiter aus - 14 Ehrenamtliche begleiten künftig Sterbende und Angehörige

v.l. oben: Fatma Aka, Bernd. v.l. untern: Natascha und Bärbel Oppermann. Fotos: privat.

Barsinghausen. 14 Teilnehmer haben die Ausbildung für die ehrenamtliche Sterbebegleitung beim ambulanten Hospizdienst „Aufgefangen“ in Barsinghausen am 6. Juni abgeschlossen. Alle wollen ab sofort sterbende Menschen und ihre Angehörigen in der schweren Zeit begleiten, bis zuletzt.

Ein Jahr lang wurden sie auf diese wichtige Aufgabe vorbereitet. Koordinatorin Bärbel Oppermann erzählt im Interview, was für Voraussetzungen dafür nötig sind:

„Ich glaube, das Wichtigste ist die Haltung. Kontakt zu Menschen aufzunehmen zu können, in schwerer Krankheit, in Not, in Krisensituationen am Ende des Lebens und sich zu öffnen und da zu sein, Zeit zu schenken, zuzuhören. Also, es braucht letztendlich keine pflegerischen Kenntnisse, kein Studium, sondern es braucht eine Herzenshaltung. Das ist das A und O, glaube ich.“

Was erwartet die Kursteilnehmer?

„Man lernt erst mal, auf eigene Erfahrungen und Verluste zurückzuschauen, sich auseinanderzusetzen mit der eigenen Biografie, sich zu öffnen, zuzuhören. Und man lernt die innere Haltung, die für die Hospizarbeit so wichtig ist: Jeden und jede anzunehmen, nicht zu sagen: ich weiß, wie es geht! Sondern zu verstehen, dass jeder seinen eigenen Weg hat und dabei Unterstützung braucht. Wir versuchen den Menschen in der Ausbildung nahe zu bringen, dass sie mit den Menschen gehen, an ihrer Seite, nicht unbedingt voraus.

Werden sie auch geschult, wie und über welche Themen sie mit Sterbenden sprechen können?

„Ja, und nicht jeder möchte über sein Sterben sprechen. Manchmal wollen die Menschen auch frohe Gedanken haben. Manchmal möchten sie, dass man zu ihnen kommt und noch etwas mitbringt von der Welt von außen. Aber manche Menschen haben auch das Bedürfnis, über ihr Sterben oder den nahenden Abschied, den sie ja spüren, auch zu sprechen. Und dann wünschen sie sich Menschen an ihrer Seite, die nicht ausweichen, sondern die dann da sind, die zuhören, die darüber auch angstfrei reden können.“

Vor dem Tod gibt es aber auch noch die letzte Lebenszeit, die von den Ehrenamtlichen miterlebt und mitgestaltet wird, haben Sie mir erzählt:

„Immer ist die Sterbebegleitung auch Lebensbegleitung. Und deshalb sind wir auch bei den Familien manchmal schon, wenn erstmal eine Diagnose gestellt wird und nicht klar ist, was sind die nächsten Schritte? Eine Operation? Eine Therapie? Wie geht es weiter? Was brauche ich vielleicht, um für mich zu entscheiden? Geht das alles noch zu Hause? Oder, wo könnte ein Ort sein, wo ich sterben kann, wo ich mich wohlfühle? In all diese Wege gehen wir mit. All diese Entscheidungen, die die einzelnen Menschen und ihre Angehörigen treffen, gehen wir mit.“

Dabei haben sie auch die Familie, die Partner mit im Blick:

„Natürlich unterstützen wir auch die Angehörigen. Das ist auch was Wichtiges in diesen Kursen, was wir unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern mitgeben, dass sie natürlich für die Kranken und die Sterbenden da sind, aber dass es um die Familie oder um ein ganzes System geht, wo verschiedene Menschen sind mit verschiedenen Bedürfnissen. Und dann setzen wir manchmal auch zwei Ehrenamtliche oder auch mehr in die verschiedenen Begleitungen ein. Je nachdem, was gebraucht und gewünscht wird.“

Sterbebegleitung, das klingt sehr belastend, hoch emotional und eher kraftzehrend. Was ist es, dass Menschen motiviert, sich genau für dieses Ehrenamt zu engagieren?

„Unsere ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen sagen: Ich fühle mich so beschenkt, ich gehe so gerne hin, wir lachen viel miteinander. Oder: Ich profitiere so von der Lebenserfahrung des anderen, bin beeindruckt von der Art und Weise, wie jemand Abschied nimmt vom Leben. Das berührt mich so, dass ich auch über meinen eigenen Tod und solche Wünsche nachdenke. In der Regel sind wir die Beschenkten. Wir versuchen für die Menschen da zu sein und ihnen was zu geben, aber wir werden unendlich beschenkt in dieser Arbeit.“

Und sie sind auch mit dabei, wenn Menschen ihren letzten Atemzug tun?

„Manchmal sind wir das gerade nicht, weil Familien dann zu uns sagen: Wir haben das allein geschafft, weil wir vorher zu ihnen den Kontakt aufgenommen haben und jetzt so viel über den Sterbeprozess wussten und sie uns so den Rücken gestärkt haben. Aber dann sind wir ja auch da, wenn das gewünscht wird, um in der Trauer zu begleiten. Wir sind manchmal diejenigen, die am Ende des Lebens da sind, aber dann auch für den Neuanfang, für die Angehörigen.“

Wie finden sie heraus, ob jemand für dieses emotional und sozial anspruchsvolle Ehrenamt geeignet ist, oder nicht?

„Um das zu erspüren, starten wir auch in der Ausbildung mit zwei Wochenenden der Selbsterfahrung. Mitunter kommen die Menschen selbst zu der Erkenntnis oder wir sprechen es auch an, wenn wir das Gefühl haben: Du hast noch zu viel mit dir selbst zu tun. Das ist so das Häufigste, dass Menschen sagen, ich merke, ich bin noch zu sehr in meiner Trauer und eigentlich kann ich das jetzt noch nicht. Dann kann man in unserem Dienst ja auch anderweitig ehrenamtlich unterstützen und schauen: Wann bin ich denn so weit? Wir haben Ehrenamtliche, die uns helfen bei der Digitalisierung, oder bei der Gartengestaltung. Also, wer sich bei uns einbringen möchte, wer eine Aufgabe sucht, ist immer herzlich willkommen.“

Ein Jahr dauert die Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleitung und umfasst etwa 100 Stunden. Sind damit auch Kosten verbunden?

„Ja, es gibt eine Teilnahmegebühr von 150 Euro, die zurückerstattet werden kann, wenn man zwei Jahre im Anschluss im Ehrenamt für uns tätig ist. Und auch schon allein aus Versicherungsgründen wünschen wir uns eine Mitgliedschaft in unserem Verein, die gibt es für 60 Euro im Jahr.“

Der nächste Ausbildungskurs startet voraussichtlich im Oktober 2026. 15 Plätze gibt es insgesamt, noch werden Teilnehmer gesucht. Weitere Infos gibt es direkt beim ambulanten Hospizdienst „Aufgefangen“ in Barsinghausen.

Der ambulante Hospizdienst präsentiert sich auch am 6./7. Juni auf der Mowi in Barsinghausen.

Das sagen die Kursteilnehmer:

Die 39-jährige Fatma Aka wird ab Juni ehrenamtliche Sterbebegleiterin beim Ambulanten Hospizdienst „Aufgefangen“. Die in der Türkei geborene und in Deutschland aufgewachsene Pflegekraft hat durch ihre beruflichen Erfahrungen bereits viele Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleitet. Dabei wurde ihr besonders wichtig, dass Sterbende würdevoll und nicht allein Abschied nehmen können.

Fatma berichtet, dass sie oft auch nach Feierabend Zeit mit sterbenden Menschen verbracht habe, weil ihr die Begleitung sehr am Herzen liege. In der Ausbildung zur Sterbebegleiterin habe sie gelernt, dass häufig nicht Worte, sondern vor allem das Dasein und das Aushalten von Stille wichtig seien. Sicherheit gebe ihr dabei die Unterstützung durch die Koordinatorinnen des Hospizdienstes.

Besonders prägend war für sie die Erfahrung mit einer türkischen Familie, die trotz vieler Angehöriger Unterstützung durch eine ehrenamtliche Sterbebegleiterin benötigte. Schon kurze Besuche und die Frage, ob Hilfe gebraucht werde, könnten Angehörigen in dieser belastenden Situation viel Sicherheit geben.

Für ihre zukünftige ehrenamtliche Tätigkeit plant Fatma Aka etwa fünf bis sechs Stunden Einsatzzeit pro Woche ein.

Die 61-jährige Natascha engagiert sich künftig ehrenamtlich beim Ambulanten Hospizdienst „Aufgefangen“. Zuvor hatte sie selbst erlebt, wie wertvoll die Unterstützung des Dienstes sein kann: Während der schweren Krebserkrankung ihres Mannes wurde die Familie durch Sterbebegleiter begleitet. Besonders die emotionale Entlastung und die Unterstützung im Alltag halfen ihr in dieser belastenden Zeit sehr. Ihr Mann konnte schließlich schmerzfrei zuhause sterben.

Diese Erfahrung motivierte die gelernte Pflegerin dazu, selbst die einjährige Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin zu absolvieren. Sie möchte nun anderen Menschen dieselbe Unterstützung und Geborgenheit ermöglichen, die sie selbst erfahren hat. Besonders wichtig ist ihr dabei das Zusammenspiel aus Palliativversorgung, ambulantem Pflegedienst und Hospizbegleitung, damit Menschen möglichst gut versorgt in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können.

An ihrer neuen Aufgabe schätzt Natascha vor allem die Nähe zu den Menschen und die persönlichen Gespräche in einer besonderen Lebensphase. Außerdem hebt sie die vielen Möglichkeiten hervor, Sterbenden etwas Gutes zu tun – etwa durch Aromatherapie, Massagen, Musik oder kleine Gesten der Fürsorge. Gerade für Menschen ohne Angehörige sei die Begleitung ein wichtiger Halt und „ein Segen“.

Der 58-jährige Bernd hat nach vielen Jahren als erfolgreicher Maschinenbauingenieur bewusst einen Neuanfang gewagt. Da ihn seine frühere Tätigkeit nicht mehr erfüllte, kündigte er vor zwei Jahren seinen Job und ließ sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter beim ambulanten Hospizdienst „Aufgefangen“ ausbilden.

Entscheidend für diesen Schritt waren persönliche Erfahrungen mit dem Tod in seiner Familie. Besonders der friedliche Tod seines Vaters, den er bis zuletzt begleitet hatte, nahm ihm die Angst vor dem Sterben. Heute sieht Bernd die Sterbebegleitung vor allem als eine Frage der inneren Haltung: Zuhören, Ruhe ausstrahlen, Menschen wertschätzen und einfach präsent sein, ohne alles kommentieren zu müssen.

Durch seine beruflichen Erfahrungen mit psychisch belasteten Menschen habe er gelernt, in jedem Menschen etwas Gutes zu sehen. Für ihn stehen Vertrauen, Menschlichkeit und Nähe im Mittelpunkt seiner Arbeit. Besonders wichtig ist ihm, Sterbenden Raum zu geben, über offene Wünsche, Belastungen oder unerfüllte Gedanken zu sprechen.

Bernd beschreibt die Begleitung als große persönliche Bereicherung. Bei seinen ersten Einsätzen habe er erlebt, wie wenig materielle Dinge am Lebensende oft noch zählen und wie wichtig stattdessen menschliche Nähe wird. Anfangs sei er sehr aufgeregt gewesen, inzwischen habe sich ein vertrauensvoller Kontakt entwickelt. Er besucht die von ihm begleitete Frau nahezu täglich für etwa eine halbe Stunde und empfindet die Begegnungen als gegenseitige Bereicherung.

Auch wenn sein Engagement nicht überall auf Verständnis stoße, gehört die Sterbebegleitung inzwischen fest zu seinem Leben.