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Laatzens Bildungscampus nimmt Gestalt an

Bürgermeister Kai Eggert begrüßte am Abend des 21. Aprils zur Abschlusspräsentation des gemeinschaftlich entwickelten Masterplans für den Bildungscampus. Quelle: Stadt Laatzen.

Laatzen. Mit dem Bildungscampus stellt die Stadt Laatzen die Weichen für eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre. Nach rund neun Monaten intensiver Beteiligung liegt nun ein tragfähiges Konzept vor, das den Weg für die zukünftige Entwicklung des rund 12,5 Hektar umfassenden Areals an der Marktstraße weist.

15 Workshops, über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, zahlreiche Perspektiven und am Ende ein gemeinsames Ergebnis: Seit August 2025 haben sich Vertreterinnen und Vertreter aus Schulen, Verwaltung, Politik, Vereinen und Stadtgesellschaft gemeinsam mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich das Areal zu einem modernen, offenen und zukunftsfähigen Bildungsstandort entwickeln kann. Das Ergebnis ist nun ein umsetzbarer Masterplan, der von allen Akteursgruppen mitgetragen wird und als belastbare Basis für die zukünftige Entwicklung des Areals dienen soll.

Am Dienstag, 21. April, haben Laatzens Stadtverwaltung sowie die beauftragten Architekturbüros CITYFÖRSTER und Remke Partner den Entwurf öffentlich vor rund 30 Interessierten im Forum des Erich Kästner Schulzentrums vorgestellt. Das Fundament: ein breit angelegter Beteiligungsprozess

Akteursgruppen

Eingebunden waren Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen – von der Grundschule Pestalozzistraße (Jahrgänge 1 bis 4) über die Sekundarstufe I (Jahrgänge 5 bis 8) bis zur Sekundarstufe II (Jahrgänge 9 bis 13) des Erich Kästner-Schulzentrums, die jeweils eine Akteursgruppe bildeten. Darüber hinaus versammelten sich die Lehrkräfte von Grundschule, Oberschule und Gymnasium sowie die städtischen Beschäftigten aus den Schulen in einer weiteren Akteursgruppe. Zwölf Teams der Stadtverwaltung brachten ihre Expertise ein, die sich auf die Schwerpunkte Bauen und Bildung verteilte. Die Ratsmitglieder formierten ihrerseits eine weitere Akteursgruppe. Die allgemeine Öffentlichkeit mit Sportvereinen, Institutionen und der Elternschaft der Schulen arbeitete ebenfalls gemeinsam in den Workshops.

Ergänzend wurden die Freiwillige Feuerwehr und das Polizeikommissariat Laatzen gezielt eingebunden, um sicherheitsrelevante Fragestellungen in die Planung einzubeziehen.

Workshops

Die Architekturbüros CITYFÖRSTER und Remke Partner haben die 15 Workshops im Beteiligungsprozess aktiv gestaltet und dabei unterschiedliche Methoden eingesetzt, die sie gezielt an die jeweilige Projektphase angepasst haben. Ihr Ziel war es, bauliche und planerische Themen verständlich und niedrigschwellig zu vermitteln, sodass auch Menschen ohne fachlichen Hintergrund sich aktiv einbringen konnten. Gleichzeitig variierten sie die Formate altersgerecht – von spielerischen Ansätzen für Grundschulkinder etwa mittels einer „Karte der Wünsche“ bis hin zu strukturierteren Arbeitsweisen für Jugendliche und Erwachsene.

Jede Workshop-Phase eröffneten die Planerinnen und Planer mit einer gemeinsamen Einführung im Plenum, der sogenannten „Befähigung“. Dabei vermittelten sie anschaulich den aktuellen Projektstand, erklärten Planungsgrundlagen und stellten erste Entwurfsansätze vor. So schufen sie eine gemeinsame Wissensbasis, auf der alle Teilnehmenden gut informiert in die anschließenden Arbeitsphasen starten konnten.

In den Arbeitsphasen arbeiteten die Teilnehmenden sehr praxisnah und visuell: Sie nutzten Modelle zum Anfassen und Weiterentwickeln sowie Grafiken und Pläne, die sie gemeinsam bearbeiteten. Zu Beginn setzten die Planer bewusst auf offene Formate, um ein breites Meinungsbild zu erhalten und Diskussionen auf Augenhöhe zu ermöglichen. Im weiteren Verlauf konkretisierten sie die Aufgabenstellungen Schritt für Schritt. Am Ende jeder Phase präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum. Gemeinsam diskutierten und würdigten alle Beteiligten die Beiträge, sodass die unterschiedlichen Perspektiven sichtbar wurden und direkt in den weiteren Planungsprozess einfließen konnten.

Das Ergebnis: Ein Masterplan für die Entwicklung eines Bildungscampus

So könnte der Bildungscampus in Zukunft baulich entwickelt werden

Der Entwurf beschreibt die Weiterentwicklung des rund 9,5 Hektar großen Kernareals zu einem modernen Bildungscampus. Zentrale Bausteine sind eine neue vierzügige Grundschule in räumlicher Nähe zur bestehenden Grundschule Pestalozzistraße, Erweiterungen bestehender Schulgebäude, eine Campus-Mensa für alle Schulen, eine Multifunktionshalle für Sport, Kultur und Veranstaltungen, sowie zusätzliche Sporthallen und Bewegungsflächen. Ergänzend sieht das Konzept die Verlagerung des Kinder- und Jugendzentrums „KiJuZ“ an die Marktstraße vor.

Herzstück des Campus soll ein zentraler Platz werden, der als Begegnungsort für Schule und Öffentlichkeit dient. Um ihn herum gruppieren sich die gemeinschaftlich genutzten Einrichtungen, während die Pausenhöfe klar zugeordnet bleiben. Die Sporthallen sind im Nor den des Areals angeordnet und bilden das räumliche Rückgrat des Campus. Gleichzeitig übernehmen sie eine wichtige Lärmschutzfunktion gegenüber der Bundesstraße 6.

Auch die Außenräume werden neu gedacht: Mehr Grünflächen, hohe Aufenthaltsqualität und neue Wegeverbindungen sollen den Campus stärker mit dem Stadtteil vernetzen. Die bis lang offene Fläche entlang der Marktstraße, einschließlich des derzeitigen Parkplatzes des Schulzentrums, wird perspektivisch für eine Wohnbebauung vorgesehen. Gleichzeitig wird der ruhende Verkehr neu organisiert: Durch den Bau eines Parkhauses kann die benötigte Fläche reduziert werden. Statt der aktuell rund 150 Stellplätze stehen künftig durch das Parken auf vier Ebenen bis zu 180 Stellplätze zur Verfügung. Die Dachfläche des Parkhauses kann als Sport- und Aufenthaltsbereich für Jugendliche fungieren. Abstellflächen für Fahrräder sieht der Masterplan dezentral und gut erreichbar direkt an den jeweiligen Gebäuden vor.

Auch bei sicherheitsrelevanten Aspekten greift das Konzept die Rückmeldungen der Mehrheit der beteiligten Akteursgruppen auf und setzt auf eine steuerbare Zugänglichkeit. Durch Zäune, Hecken und modellierte Geländeelemente wie Wälle sollen die einzelnen Bereiche der Pausenhöfe klar erkennbar und strukturiert werden. Gleichzeitig berücksichtig das Konzept, dass bestimmte Bereiche bei Bedarf gezielt abgegrenzt und geschlossen werden können.

Raum gewinnen durch sinnvolle Synergien

Ein zentrales Prinzip des Konzepts ist die schulübergreifende Nutzung von Infrastruktur für einen kosteneffizienten Betrieb. Vorgesehen ist etwa eine gemeinsam nutzbare Campus Mensa für alle Schulen und Veranstaltungen in der Multifunktionshalle. Auch Sporthallen und Sportflächen sollen künftig von Schulen und Vereinen gemeinsam genutzt werden. Darüber hinaus ist angedacht, die Multifunktionshalle nicht nur für den schulischen Betrieb, sondern auch für öffentliche Veranstaltungen der Stadt Laatzen zu öffnen und so das Kultur- und Freizeitangebot vor Ort zu stärken.

Ein weiterer Baustein ist der sogenannte Binnencampus der Grundschulen: Zwei Grundschulen in räumlicher Nähe ermöglichen die gemeinsame Nutzung von Fachräumen, Schulhof und Sporthalle.

Dass trotz zusätzlicher Gebäude ein offenes, gut gegliedertes Areal mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen kann, zeigt ein Blick auf die geplanten Freiflächen: Den Grundschulen können künftig rund 13.300 Quadratmeter Schulhoffläche zur Verfügung stehen, der Ober schule etwa 7.300 Quadratmeter und dem Gymnasium rund 9.400 Quadratmeter. Hinzu kommen etwa 27.500 Quadratmeter gemeinschaftlich nutzbare Flächen, beispielsweise im Bereich der Sportanlagen. Insgesamt ergibt sich damit eine rechnerische Fläche von rund 20 Quadratmetern pro Schülerin und Schüler – im Vergleich zu derzeit etwa 5 Quadratmetern eine deutliche Verbesserung.

So geht es weiter

Mit der Abschlusspräsentation ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Nun beginnt die nächste Phase: die schrittweise Umsetzung des Bildungscampus. Der Masterplan ist dabei als langfristiges Konzept angelegt, das mindestens zehn Jahre hinweg in vier aufeinander aufbauen den Bauphasen realisiert werden kann.

Im ersten Schritt liegt der Fokus auf den dringendsten Bedarfen. Dazu zählen insbesondere der Neubau der Grundschule sowie der Bau einer Sporthalle mit integriertem Veranstaltungszentrum, das perspektivisch von allen Schulen genutzt werden kann. Hintergrund ist die bereits heute angespannte Raumsituation an der Grundschule Pestalozzistraße und die weiter steigenden Schülerzahlen.

In einer möglichen zweiten Bauphase könnten unter anderem die Campus-Mensa, ein Park deck, eine weitere Sporthalle sowie eine Wohnbebauung entlang der Marktstraße realisiert werden. In einer dritten Phase wäre denkbar, die bestehende Halle 1 zurückzubauen, den Neubau des Erweiterungsgebäudes für die Oberschule nach Rückbau der Flüchtlingsunterkunft umzusetzen, die Sportflächen neu zu ordnen und eine nördliche Zuwegung herzustellen. Eine vierte Phase könnte schließlich den Abschluss der Entwicklung im östlichen Be reich bilden – mit dem Rückbau der Halle 2, der Erweiterung des Gymnasiums, einer weiteren Sporthalle sowie der Fertigstellung des zentralen Campusplatzes. Alle Bauphasen sind im Konzept so angelegt, dass die Bauarbeiten den laufenden Betrieb so wenig wie möglich beeinträchtigen. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, durch eine abgestimmte Abfolge der Maßnahmen, sinnvolle Synergien zu nutzen.

Um das Konzept als langfristige Leitlinie für die Entwicklung des Bildungscampus zu stärken, beabsichtigt die Stadtverwaltung, sich den Masterplan parallel zur Beratung der Beschlussvorlage für den Grundschulneubau auch formal durch die Politik bestätigen zu lassen. Die Umsetzung hängt dabei maßgeblich von den verfügbaren finanziellen und personellen Res sourcen sowie von den politischen Beschlüssen ab.

Auch, wenn der Beteiligungsprozess nun abgeschlossen ist, will die Stadt Laatzen die Öffentlichkeit auch zukünftig einbinden. Über wesentliche Entwicklungen informiert die Stadt Laatzen fortlaufend im Rahmen politischer Gremiensitzungen sowie über ihre Öffentlichkeitsarbeit auf laatzen.de sowie in den sozialen Medien. Darüber hinaus ist bei möglichen Bauleitplanverfahren eine formelle Beteiligung vorgesehen. Ergänzend plant die Stadt bei Bedarf, engagierte Teilnehmende aus dem Beteiligungsprozess weiterhin als fachliche Impulsgeber einzubeziehen.

Das Konzept zum Bildungscampus finden Interessierte in Kürze auf laatzen.de. Allgemeine Informationen zu den Workshops stehen hier zum Abruf bereit: bildungscampus-laatzen.de

Kai Eggert, Bürgermeister Stadt Laatzen: „Der Bildungscampus zählt zweifelsfrei zu den wohl bedeutendsten Infrastrukturprojekten, die wir in Laatzen in den letzten Jahren auf den Weg gebracht haben. Mein Dank gilt allen, die sich mit Zeit, Fachwissen und auch klaren Positionen eingebracht haben – aus Verwaltung, Politik, Vereinslandschaft, Schulgemeinschaft, Feuerwehr, Polizei, der Stadtgesellschaft sowie den beiden Architekturbüros Remke und Cityförster. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Wir haben heute ein Konzept, das tragfähig ist, das alle wesentlichen Aspekte berücksichtigt und das von einer breiten Mehrheit mitgetragen wird. Genau das war unser Anspruch.“