Barsinghausen. „Ich bin enttäuscht“, erklärt Andreas Lorch, der den Fraktionsvorsitz der SPD an Peter Messing verloren hat. Von ihrem Amt zurückgetreten ist daraufhin auch Lorchs Ehefrau Susanne Lorch, die den Parteivorsitz innehatte. Was ist passiert?
Vor der konstituierenden Sitzung der SPD-Fraktion telefonierten Fraktionsvorsitzender Lorch und Peter Messing, um organisatorische Dinge für die Sitzung abzusprechen. Bei dem Telefonat habe Messing ihm dann mitgeteilt, dass er eine Kandidatur um den Fraktionsvorsitz anstrebe, erklärt Lorch im Gespräch. „Das hat mich überrascht, da es dafür zuvor keinerlei Anzeichen gab“, so Lorch. „Enttäuscht hat mich gar nicht die Kandidatur selbst, das ist Demokratie. Enttäuscht hat mich die Information, dass einige Parteimitglieder unzufrieden waren, mich aber nie direkt angesprochen haben. Gesprächsangebote habe ich stets gemacht, jedoch wurde nichts gesagt.“ Er sei seit 36 Jahren in der Partei, und ein sozialdemokratischer Umgang sei dies nicht.
Messing soll demnach von den unzufriedenen Parteimitgliedern angesprochen worden sein. „Meine Lebensplanung war eine andere. Ich habe mir das dann in meinem dreiwöchigen Urlaub überlegt und dann Andreas meine Entscheidung mitgeteilt“, erklärt Messing die Situation. Es gehe nicht um die Arbeit von Lorch, so Messing: „Der Wechsel im Fraktionsvorsitz hat überhaupt nichts mit der sehr guten inhaltlichen Arbeit von Andreas zu tun. Er war, ist und wird auch in Zukunft ein wichtiger Teil der Fraktion sein.“ Gleichzeitig könne er die Enttäuschung von Lorch verstehen. „Dass der Laden sich aber selbst zerlege, wie es in einem Medienbericht heißt, davon kann nicht die Rede sein“, ergänzt Messing.
Neue Mehrheitsverhältnisse im Rat erfordern neue Strategie
Vieles habe sich nach der Kommunalwahl im Rat verändert, so Messing weiter. Mehrheitsverhältnisse seien nun nicht mehr so klar und vieles müsse sich neu finden. „Alle Parteien haben Sitze verloren, Die Linke ist neu dabei und wir haben sieben Rechte im Rat. Einige in der Partei waren daher der Meinung, dass wir uns strategisch besser auf die neuen Gegebenheiten anpassen müssen und haben mich gefragt, ob ich mich mit meiner mehr als 20-jährigen Erfahrung als Vorsitzender noch einmal zur Wahl stellen wolle.“
In der konstituierenden Sitzung der SPD wurde Messing dann bei einer Gegenstimme gewählt. Lorch nahm nicht an der Sitzung teil.
Lorch bleibt Mitglied der Fraktion
Messing und Lorch hätten schon nächste Woche erste Termine zusammen, weshalb man nicht von einem großen Streit oder Zerwürfnis innerhalb der Partei reden wolle. „Die Stimmung ist grundsätzlich gut. Amélie Lorch, die Tochter, sei im Vorstand weiterhin tätig“, sieht Messing den Zusammenhalt in der Partei gesichert. Lorch bleibe Mitglied der Fraktion und werde andere Aufgaben übernehmen, um seine Expertise einzubringen.
Susanne Lorch tritt vom Vorstand zurück
Da Susanne Lorch jedoch ihr Amt als Vorstandsvorsitzende abgegeben hat, wird Roman Schwikowski (beide bislang Doppelspitze) bis zu den Neuwahlen im September 2027 alleiniger Vorsitzender bleiben. Susanne Lorch: „Es ist sehr verletzend gewesen, dass nicht offen kommuniziert wurde und auch keine genauen Gründe genannt werden.“ Daher habe sie ihren Rücktritt erklärt. Schon im Wahlkampf sei vieles auch an ihr vorbei organisiert worden. „Es gibt viele alte Strukturen in der Partei, die nicht von ihrem Einfluss ablassen. Das ist schade, gerade wenn Jüngere sich einbringen wollen.“ Der Altersdurchschnitt in der Partei liege bei 69 Jahren der gut 200 Mitglieder. „Davon bringen sich 20 aktiv ein. Das ist schade, da Kommunalpolitik wirklich viel Spaß macht“, so Susanne Lorch. Die Partei müsse sich neu erfinden und neue Wege gehen, dies aber auch wollen, um für die Zukunft bereit zu sein. Lorch werde vorerst keine weiteren Ämter übernehmen, jedoch in der SPD bleiben.

