Barsinghausen. Die Stadt Barsinghausen hat ihre Kindergartenplatz-Prognose für 2026 vorgelegt. Das Ergebnis klingt zunächst erfreulich: Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz kann erfüllt werden. Doch der Blick ins Detail zeigt ein differenzierteres Bild – mit räumlichen Engpässen und einem langfristig sinkenden Bedarf.
Weniger Kinder als erwartet – Prognose weicht deutlich ab
Die Kindergartenplatz-Prognose 2026 der Stadt Barsinghausen weicht in mehreren Punkten spürbar von den Vorjahreserwartungen ab. Der Hauptgrund: Die Geburtenzahlen sind niedriger ausgefallen als ursprünglich angenommen. Hinzu kommt der Wegfall von insgesamt 26 Betreuungsplätzen – darunter Plätze in der Tagespflege sowie ein Kindergartenplatz in der Einrichtung „Mittendrin", dessen Betriebserlaubnis durch das Landesamt für Schule und Bildung Hannover aufgrund der Gruppenraumgröße auf 49 Plätze reduziert wurde. Auch geplante Bauentwicklungen haben sich verschoben: Das Baugebiet „Neue Bergwiese" mit rund 250 Wohneinheiten wird nun erst 2034/2035 realisiert und fällt damit für die aktuelle Bedarfsplanung weitgehend weg.
Die Zahlen im Überblick
Stadtweit stehen 2026 insgesamt 1.530 Betreuungsplätze zur Verfügung. Dem gegenüber stehen 2.058 Kinder im betreuungsrelevanten Alter und ein erwarteter Höchstbedarf von 1.438 Plätzen. Damit ergibt sich rechnerisch ein Überhang von 92 Plätzen – gegenüber einem Fehlbedarf von noch 31 Plätzen im Jahr 2025.
Im Krippenbereich stehen 340 Plätze zur Verfügung bei einem erwarteten Höchstbedarf von 328 – also einem rechnerischen Überhang von 12 Plätzen. Im Kindergartenbereich sind es 1.190 verfügbare Plätze bei einem Höchstbedarf von 1.111, was einem Überhang von 79 Plätzen entspricht.
Flexi-Kinder als Unsicherheitsfaktor
Trotz der insgesamt positiven Gesamtbilanz bleibt eine wichtige Unbekannte: die sogenannten Flexi-Kinder. Aktuell befinden sich 98 Kinder in dieser Kategorie, deren Einschulungszeitpunkt noch nicht feststeht. Je nachdem, wie viele davon in die Schule wechseln, zurückgestellt werden oder weiterhin im Kindergarten verbleiben, kann sich der tatsächliche Bedarf noch erheblich verschieben. Die Prognose geht davon aus, dass etwa die Hälfte schulpflichtig wird, ein Viertel zurückgestellt werden kann und ein weiteres Viertel im Kindergarten verbleibt.
Nordstadt hat Überangebot – Südstadt braucht mehr Plätze
Der Blick auf die einzelnen Schulbezirke zeigt deutliche räumliche Unterschiede. In der Nordstadt (Schulbezirk 1) besteht im Kindergartenbereich ein Minderbedarf von 216 Plätzen, während die Südstadt (Schulbezirk 2) einen Mehrbedarf von 134 Plätzen aufweist. In vielen Fällen können solche Ungleichgewichte durch benachbarte Bezirke ausgeglichen werden – allerdings nur begrenzt, da Eltern die freie Wahl der Betreuungseinrichtung haben.
Nicht ausgleichbar sind die Bedarfe in den Schulbezirken Landringhausen/Groß Munzel und den Bördedörfern. In Landringhausen/Groß Munzel fehlen 12 Kindergartenplätze und 33 Krippenplätze, in den Bördedörfern 22 Kindergartenplätze und 5 Krippenplätze. Hier sieht die Verwaltung konkreten Handlungsbedarf.
Langfristig sinkt der Bedarf – aber lokale Engpässe bleiben
Für den Zeitraum 2026 bis 2032 erwartet die Stadt einen insgesamt rückläufigen Bedarf an Betreuungsplätzen. Ursache sind sinkende beziehungsweise stagnierende Geburtenzahlen sowie eine nachlassende Dynamik bei Zuzügen von Familien. Dennoch sind lokale Engpässe trotz rückläufiger Gesamtnachfrage nicht ausgeschlossen.
Was die Stadt jetzt empfiehlt
Die Verwaltung empfiehlt kurzfristig, die Kapazitäten insbesondere für Flexi-Kinder und in Bezirken mit nicht ausgleichbaren Mehrbedarfen zu sichern – etwa durch eine Stärkung der Tagespflege im Krippenbereich. Mittelfristig soll die Angebotsstruktur an die sinkende Nachfrage angepasst werden, zum Beispiel durch kleinere Gruppengrößen bei gleichzeitig höherer Qualität.
Für die Schulbezirke Landringhausen/Groß Munzel und die Bördedörfer empfiehlt die Stadtverwaltung den Bau einer neuen Kinderbetreuungseinrichtung mit zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen. Langfristig sollen auch Anpassungsoptionen wie die Schließung älterer Einrichtungen in die strategische Planung einbezogen werden. Die Prognose soll künftig jährlich zum Stichtag 31. Dezember fortgeschrieben werden.

