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Über 15 Jahre Schülerhilfe Senegal: Mit kleinen Dorfschulen große Chancen schaffen

25 Dorfschulen gebaut: Wie Ute Gierczynski-Bocandé auch Dank Hilfe aus Barsinghausen den Senegal unterstützt.

Barsinghausen. Angefangen hat alles vor über 15 Jahren. Damals startete Ute Gierczynski-Bocandé das Projekt „Schülerhilfe im Senegal“. Seitdem konnten auch dank Spenden aus Barsinghausen gut 25 Dorfschulen im Senegal gebaut werden.

Engagement für gerechtere Handelsbeziehungen

Anfang der 1980er-Jahre gründete sich in Barsinghausen der Eine-Welt-Laden, damals noch unter dem Namen Dritte-Welt-Laden, um sich für die Förderung gerechter Handelsbeziehungen mit der sogenannten Dritten Welt starkzumachen. Ute Gierczynski-Bocandé gründete bereits 1976 die Dritte-Welt-AG am Hannah-Arendt-Gymnasium (HAG).

1981 ging Gierczynski-Bocandé für ein soziales Jahr nach Frankreich. In Paris fand sie dann auch die Liebe: Sie traf ihren späteren Mann, der aus dem Senegal stammt. 1985 ging es für beide nach der Heirat in den Senegal. Ute Gierczynski-Bocandé hatte dort eine Stelle an einer Universität und war auch in der Entwicklungsarbeit tätig.

„Ich war im Südosten tätig, in der Region Kédougou“, erinnert sich die 64-Jährige im Gespräch zurück. „Wir haben gemerkt, dass in den abgelegenen Dörfern viele Kinder nicht zur Schule gehen, und haben uns überlegt: Was können wir tun?“

Kleine Schulen für abgelegene Dörfer

Die Idee der kleinen Dorfschulen reifte heran. Dort können die Kinder von der ersten bis zur dritten Klasse beschult werden. Oft lernen 15 bis 30 Kinder in nur einem Raum bei einem Lehrer Schreiben, Lesen und Rechnen.

„Bis heute konnten wir in der Region 25 Dorfschulen bauen“, zeigt sich Gierczynski-Bocandé erfreut. „Anschließend haben die Kinder die Fähigkeiten, um überhaupt auf staatliche weiterführende Schulen zu gehen.“

Sofern dies möglich ist: In der hügeligen Gegend sind die Straßen oft schlecht und in der Regenzeit auch gefährlich. Häufig müssen die Kinder mehrere Kilometer zu Fuß bis zur nächsten Schule zurücklegen.

Kosten für Schulen und Schulmaterial steigen

Vor 17 Jahren kostete die erste Dorfschule rund 6.000 Euro. Mittlerweile liegen die Kosten bei 8.000 bis 10.000 Euro. Auch die laufenden Kosten für Reparaturen und Schulmaterial müssen getragen werden. Die Lehrer werden über das Hilfswerk Miserior bezahlt.

Gierczynski-Bocandé sammelt dafür Spenden aus vielen Quellen ein. Hier kommt auch der Eine-Welt-Laden wieder ins Spiel. Zum einen generiert der Laden Gelder für das Projekt.

„Außerdem gehen alle Spenden an den Eine-Welt-Laden und nicht an mich. Der Eine-Welt-Laden ist Träger des Projekts.“

Unterstützung kommt auch von der Mariengemeinde Barsinghausen und seit acht Jahren von der Senegal-AG des HAG. Die AG konnte zuletzt stolze 20.000 Euro für ein Brunnenprojekt vor Ort sammeln. Die Barsinghäuser Schüler waren zudem selbst im Senegal.

Gierczynski-Bocandé lebt das Jahr über im Senegal, kommt im Sommer aber für gut zwei Monate nach Deutschland, um Unterstützer zu besuchen. Sie übergibt die Spenden vor Ort und veranlasst die Ausstellung von Spendenquittungen durch den Eine-Welt-Laden Barsinghausen.

Internate ermöglichen weiteren Schulbesuch

Neben den Dorfschulen konnten auch Wohnheime für Schülerinnen und Schüler gegründet werden, die aus besonders abgelegenen Dörfern kommen. Ein solches Internat für etwa 100 Schülerinnen und Schüler gibt es in der Stadt Salemata, weitere in Oubadji, Ethiolo und Kevoye. Hier können die Kinder die Mittelschule und das Gymnasium besuchen.

„Es ist so schön zu sehen, dass diese Kinder, die keine Chance hatten, diese nun bekommen und sehr motiviert nutzen“, erzählt Ute Gierczynski-Bocandé. Viele Kinder würden später in ihre Region zurückkehren, um ihr Wissen vor Ort einzubringen. „Das ist das Besondere an unserem Projekt. So kommen die Kinder als Lehrer, Krankenpfleger, Ingenieure usw. zurück.“

Große Herausforderungen in den Regionen

„Es ist so toll, dass es das alles gibt. Wir wachsen in Deutschland sehr privilegiert auf und nehmen vieles als selbstverständlich an. Im Senegal wird sehr hart gearbeitet, aber leider fehlt es an vielen Dingen. Der Fortschritt kommt oft nur langsam in die entlegenen Regionen und es gibt mancherorts keinen oder nur selten Strom. Sauberes Wasser muss über Kilometer geholt werden. Gleichzeitig wird einem eine grenzenlose Gastfreundschaft entgegengebracht.“

Schülerhilfe soll weitergehen

Auch in Zukunft soll die Schülerhilfe Senegal weiterbestehen. Allerdings kommt es auch im Senegal zu starken Preissteigerungen in allen Bereichen. Diese Kosten müssen ebenfalls durch Spenden aufgefangen werden. Allein die Versorgung der Schülerinnen und Schüler im Internat kostet gut 2.000 Euro im Monat.

„Zusätzlich gibt es immer wieder Anfragen zu weiteren Dorfschulen und Stipendien oder Anfragen von Frauen für gezielte Projekte zur Ausbildung im Handwerk, der Landwirtschaft, im Tourismus und in der Krankenpflege“, zeigt sich Ute Gierczynski-Bocandé weiter einsatzbereit. „Ich bin ja jetzt in Rente, da versuche ich, den Spenderkreis zu erweitern. Ich verzweifle nie, denn wenn man an genügend Türen geklopft hat, wird sich eine öffnen und jemand wird Hilfe anbieten.“

Weitere Informationen und Spenden

Weitere Informationen zur Schülerhilfe im Senegal gibt es beim Eine-Welt-Laden Barsinghausen.

Spendenkonto:
IBAN: DE84 2519 0001 0220 6919 00

Weitere Informationen zur Schülerhilfe im Senegal