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Zum Start der Brutzeit bittet der NABU um Geduld und Augenmaß im Garten

Symbolfoto. Quelle: pixabay.

Hannover. Mit dem 1. März beginnt in Niedersachsen die Brut- und Setzzeit. Für viele heimische Tierarten ist dies der Auftakt in eine sensible Phase, in der Hecken, Sträucher und Gehölze zu geschützten Rückzugsorten werden. Der NABU Niedersachsen bittet daher Kommunen, Gartenbesitzende und Verantwortliche in der Grünpflege, notwendige Schnittmaßnahmen sorgfältig abzuwägen und möglichst aufzuschieben. Denn was ordentlich wirkt, kann für Amsel, Zaunkönig und Igel fatale Folgen haben.

Hecken sind weit mehr als Grundstücksbegrenzungen. Sie strukturieren unsere Landschaft, spenden Schatten, filtern Staub und bieten Nahrung. Vor allem aber sind sie Kinderstube und Versteck zugleich. Zahlreiche Vogelarten bauen jetzt ihre Nester im dichten Geäst. Auch Kleinsäuger und Amphibien nutzen die schützende Vegetation, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Wer in diesen Wochen zur Heckenschere greift, riskiert, brütende Vögel zu vertreiben oder Gelege zu zerstören.

„Wir erleben jedes Frühjahr, dass Hecken stark zurückgeschnitten oder sogar komplett auf den Stock gesetzt werden. Für viele Tiere bedeutet das den Verlust ihres Lebensraums“, sagt Lamin Neffati vom NABU Niedersachsen. „Dabei lässt sich mit etwas Planung viel bewirken. Wer Pflegeschnitte verschiebt, schützt aktiv die Artenvielfalt vor der eigenen Haustür.“

Zwar erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz schonende Form und Pflegeschnitte unter bestimmten Voraussetzungen auch während der Brutzeit. Voraussetzung ist jedoch, dass sich keine Nester im Gehölz befinden. Deshalb gilt: Vor jedem Schnitt sollte gründlich geprüft werden, ob Vögel bereits mit dem Nestbau begonnen haben oder Jungtiere im Versteck sitzen. Viele Arten brüten zudem zweimal im Jahr, sodass auch im Hochsommer noch Nachwuchs in den Hecken großgezogen wird. Wer ganz sicher gehen möchte, wartet mit umfangreicheren Maßnahmen bis in den Spätsommer.

Neben dem Artenschutz sprechen auch praktische Gründe für Zurückhaltung. Viele Gehölze treiben im Frühsommer kräftig aus. Ein früher Rückschnitt führt häufig dazu, dass kurze Zeit später erneut geschnitten werden muss. Ein späterer, maßvoller Pflegeschnitt ist oft nachhaltiger und spart Aufwand.

Mit Sorge beobachtet der NABU Niedersachsen wiederkehrende starke Eingriffe in öffentlichen Grünanlagen. Gerade innerörtliche Hecken und Feldgehölze sind wichtige Trittsteine im Biotopverbund. Sie verbinden Lebensräume und ermöglichen Tieren, sich auszubreiten. Der NABU bringt sich daher in kommunale Gremien ein und wirbt für eine naturnahe Pflege, die ökologische Belange stärker berücksichtigt. Bürgerinnen und Bürger, die unsichere oder radikale Schnittmaßnahmen beobachten, können sich an ihre örtliche NABU Gruppe wenden und um fachliche Einschätzung bitten.

Der Appell des NABU Niedersachsen geht jedoch über den Gartenzaun hinaus. Rücksichtnahme in der Natur ist während der Brut- und Setzzeit besonders wichtig. Wege sollten nicht verlassen, Hunde angeleint und Rückzugsorte nicht gestört werden. Jede und jeder kann dazu beitragen, dass Vögel, Igel und andere Wildtiere ihren Nachwuchs ungestört großziehen können.

Wer jetzt Geduld zeigt, wird belohnt. Eine blühende, summende und zwitschernde Hecke ist nicht nur ein Gewinn für die Artenvielfalt, sondern auch für die Lebensqualität im eigenen Umfeld.