Barsinghausen. Nun also doch: Andreas Lorch verlässt die SPD. Hatte Lorch noch am Freitag seine Enttäuschung über die Art und Weise seines Verlusts des Fraktionsvorsitzes geäußert, folgt nun der Austritt. Zunächst hatten sein Nachfolger Peter Messing und Lorch selbst noch erklärt, er bleibe in der Fraktion. Nun folgt der komplette Bruch mit der Barsinghäuser SPD.
Andreas Lorch erklärte dazu nun: „Seit 36 Jahren bin ich Mitglied der SPD. Ich komme aus einer sozialdemokratischen Familie. 1990 bin ich in die SPD eingetreten und seitdem erst im Unterbezirk Hagen und später dann in Barsinghausen aktiv gewesen.
Wie viele andere in der Partei hadere ich seit Jahren mit dem, was auf Bundeebene geschieht. Dennoch hätte ich niemals gedacht, dass ich den Schritt gehen werde, die Partei zu verlassen.
In den letzten Tagen ist mir aber endgültig klar geworden, dass ich mit einigen Mitgliedern der SPD-Fraktion nicht mehr zusammenarbeiten kann.
Am Dienstag vor der konstituierenden Sitzung der SPD-Fraktion am 24.10. habe ich Peter Messing angerufen, um einige Fragen zur Sitzung zu klären. Peter hat mir dabei berichtet, dass ihn einige Fraktionsmitglieder gebeten hätten, den Vorsitz wieder zu übernehmen und er sich im Urlaub überlegt hätte, diesem Wunsch zu folgen.
Natürlich habe ich in den Wochen davor gemerkt, dass etwas nicht stimmt und ich habe mehrmals darum gebeten, dass jemand mit mir sprechen möge. Es gab aber keine konkrete Rückmeldung. Dieses Verhalten macht mich sprachlos. In der DNA der SPD ist doch gerade enthalten, über Themen, Strategien, ja auch über Personalien intensiv zu diskutieren. Offenbar wurde über längere Zeit viel Energie dafür verwendet, mich abzulösen. Diese Energie hätten die Beteiligten vielleicht besser in Bemühungen einer konstruktiven Lösung stecken sollen. Das ist kein Verhalten, welches sich für mich mit sozialdemokratischen Werten in Verbindung bringen lässt.
Peter Messing hat seine Entscheidung aus meiner Sicht auf Basis einseitiger Informationen über die letzten Monate getroffen. Er hat nicht das Gespräch mit mir gesucht. Soweit ich ihn verstanden habe, geht es auch nicht um meine inhaltliche Arbeit als Fraktionsvorsitzender, sondern um persönliche Differenzen zwischen mir und einigen Fraktionsmitgliedern. Am Ende wurde ich vor vollendete Tatsachen gestellt.
Um es nochmals deutlich zu machen: Es geht mir dabei nicht darum, eine Wahl verloren zu haben, sondern um die komplett fehlende Kommunikation mit mir im Vorfeld.
Wie wollen die maßgeblichen Mitglieder dieser Fraktion die Geschicke der Stadt steuern, wenn es schon nicht möglich ist, untereinander zu sprechen? Wie wollen diese Fraktionsmitglieder bei unklaren Mehrheitsverhältnissen mit anderen Fraktionen in einen konstruktiven Austausch kommen?
Ich möchte mich weiterhin für die Stadt einsetzen, sehe dies aber nicht mehr in der SPD-Fraktion. Daher werde ich Partei und Fraktion verlassen. Zukünftig werde ich parteilos bleiben und mit der CDU-Fraktion eine Gruppe bilden.
Ich bedaure diesen Schritt wirklich sehr. Ich fühle mich auch weiterhin der Sozialdemokratie verbunden, die Verletzungen durch das geschilderte Verhalten wiegen aber stärker.“

