Hannover/Barsinghausen. Am Landgericht Hannover läuft der Prozess zum Mord in Barsinghausen. Am 23. März soll der 49-jährige Angeklagte seine Ehefrau mit einem Hammer getötet und seine Töchter (13) lebensgefährlich verletzt haben. Am heutigen Freitagvormittag wurden am zweiten Prozesstag zwei Polizisten als Zeugen gehört und der Notruf aus der Tatnacht abgespielt.
Der 1977 in Afghanistan geborene Angeklagte erhielt für die Verhandlung erneut einen Dolmetscher.
Gleich zu Beginn des zweiten Prozesstages wurde der Notruf abgespielt, den der Sohn (15) in der Tatnacht abgesetzt hatte. „Mein Vater hat meine Schwester und meine Mama mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen“, hört man einen Jungen am Telefon ruhig sagen. Der Polizist versicherte dem Jungen, dass Hilfe unterwegs sei, und verband den Jungen mit der Feuerwehr, die mehr über die Situation vor Ort erfahren wollte, um entsprechende Hilfskräfte zu schicken. Sowohl Mutter als auch Schwester seien bewusstlos, so der 15-Jährige zu dem Feuerwehrmann am Telefon. „Meine Schwester atmet noch. Meine Mama weiß ich nicht“, versucht der Junge die Situation zu erklären. „Wir sind unterwegs“, so die Feuerwehr am Notruf.
Polizei war zuvor mehrfach vor Ort
Nach der Tonaufnahme hörte Richterin Pape zwei Polizisten aus Barsinghausen an, die als Erste in der Tatnacht am Haus der Familie ankamen. Die Aussagen des 32- und des 27-jährigen Polizisten gingen auf die Vorgeschichte und die Tatnacht selbst ein.
„Die Adresse war uns bekannt. Alle Kollegen kannten den Angeklagten“, sagten beide Zeugen aus. In den vergangenen Monaten sei die Polizei oft vor Ort gewesen. Stets aufgrund von häuslicher Gewalt. Nachdem die Frau im November 2025 mit den Kindern in ein Frauenhaus gegangen war, jedoch zurückkehrte, sei die Situation als Hochrisikofall eingestuft worden und die Polizei habe turnusmäßig vorbeigeschaut, Gefährderansprachen gehalten und Hilfsangebote an die Ehefrau gerichtet. „Dies wurde von ihr abgelehnt. Wir haben immer vorbeigeschaut, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Bis, ja, bis es nicht mehr in Ordnung war“, gibt der 32-jährige Polizist zur Vorgeschichte an.
„Hier ist was sehr Schlimmes passiert“
In der Tatnacht sei man schnell an der bekannten Adresse gewesen. Als die beiden Polizisten das Grundstück betreten hatten, sei ihnen der Angeklagte bereits entgegengekommen. Dieser habe sich ohne Widerstand festnehmen lassen, habe wie unter Schock, regelrecht apathisch, gewirkt und habe nichts gesagt. „Hier ist was sehr Schlimmes passiert“, stufte der 32-jährige Polizist die Situation damals ein.
Der 27-jährige Kollege blieb draußen bei dem tatverdächtigen Familienvater, während er selbst sich im Haus ein Bild machen wollte, erzählt der 32-Jährige im Zeugenstand. Die Ehefrau habe leblos auf dem Boden gelegen, mit schwersten Verletzungen am Kopf. Die Tochter habe trotz der schweren Verletzungen noch geatmet. Sofort habe er Hilfe von seinem Kollegen gefordert. Dieser befestigte den Tatverdächtigen mit Handschellen an einem Zaun. Im Haus übernahm der 27-Jährige sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen bei der Tochter, erklärte dieser seine Eindrücke gegenüber dem Gericht. „Ich brauche mehr Rettungswagen“, habe er damals gedacht, gab der 32-jährige Polizist an.
Man habe die Kleinkinder aus dem Zimmer geholt und auch nach den anderen der insgesamt fünf Kinder geschaut. „Bleibt in eurem Zimmer und kommt erst raus, wenn wir euch holen“, habe man den Kindern gesagt, bis Verstärkung und Sanitäter eintrafen.
Tochter konnte reanimiert werden
Als der 32-jährige Polizist draußen nach dem Tatverdächtigen schaute, habe dieser gerade versucht, seine Brille zu essen. „Womöglich, um sich selbst zu verletzen“, vermutete der Polizist. Die eintreffenden Sanitäter wollten daher zunächst den Familienvater versorgen. Er habe diese jedoch sofort weiter zu Mutter und Tochter geschickt. Da für die Mutter jede Hilfe zu spät kam, konzentrierten sich die Sanitäter und der 27-jährige Polizist auf die Reanimation der Tochter, was auch gelang. Im Haus habe der Hammer noch auf einer Kommode im Zimmer gelegen.
„Die Eindrücke vor Ort waren intensiv“, gaben beide Zeugen an. Nach dem Einsatz habe man Hilfe des Krisen- und Notfallteams angenommen. Die Wochen nach dem Einsatz sei man selbst nicht mehr auf Streife gefahren, aber im Dienst gewesen.
Die Alkoholisierung des Tatverdächtigen sei erst später aufgefallen, als sich die Situation beruhigt habe, so die Polizisten. Der Familienvater habe sich auch mehrfach übergeben.
Gericht berät über Videoaufzeichnung des Sohnes
Nach den Zeugenaussagen der Polizisten beriet sich das Gericht darüber, ob bei einer der nächsten Verhandlungen die Videoaufzeichnung der Aussage des 15-jährigen Sohnes gezeigt werden soll. Einsprüche dagegen gab es von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung nicht. Jedoch wolle man noch beraten, so Richterin Pape, ob aus Jugendschutzgründen die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden solle oder nicht.
Der nächste Verhandlungstermin ist für den 27. Oktober angesetzt.

